NACHHALTIGKEITSKONTEXT

Auswirkungen von Covid-19

Wirtschaft, Umwelt, Sicherheit, Gesellschaft

Covid-19 beschleunigte das Auftreten einiger globaler Risiken und verschärfte die Herausforderungen, die an die Nachhaltigkeit gestellt werden. Von einem Provinzmarkt in China aus verbreitete sich das Virus schnell über die ganze Welt entlang von Reiserouten und Lieferketten und verursachte enorme soziale und wirtschaftliche Kosten. Es gibt wissenschaftliche Belege dafür, dass die Ausbreitung von Krankheiten wie Covid-19 durch steigende Temperaturen7, die Abholzung von Wäldern8, den Verlust der Artenvielfalt9 sowie mangelhafte Hygiene- und Gesundheitsbedingungen10 verschlimmert wird. All diese Themen hängen zusammen und sind in puncto Nachhaltigkeit von wesentlicher Bedeutung.
Laut den Vereinten Nationen hat die Pandemie 13 der 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) negativ beeinflusst. Ungleichheiten wurden verstärkt, Vulnerabilitäten erhöht, neue Nischenformen der Arbeitslosigkeit geschaffen, Gesundheitssysteme geschwächt, das Lernen wurde weniger effektiv und in seiner Zugänglichkeit eingeschränkt, die schwächsten Teile der Bevölkerung wurden Gewalt und Not ausgesetzt und die Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels ausgebremst, um nur einige Auswirkungen zu nennen. Auf der anderen Seite kann aber gerade die Pandemie eine historische Chance für Veränderungen darstellen. Nicht umsonst wählte das Weltwirtschaftsforum als Thema für Davos 2021 „The Great Reset“ (dt. der Große Neustart bzw. der Große Umbruch), der auf folgenden drei Säulen basiert: Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Innovation. Das Forum bat 350 weltweit führende Experten darum, die wahrscheinlichsten und besorgniserregendsten Risiken einer neuen Covid-19-Welle in den nächsten 18 Monaten zu bewerten. Zu den Ergebnissen gehören u. a. die folgenden Hauptbedenken:

  • Wirtschaft: Zwei von drei Experten gaben eine länger anhaltende Rezession an.
  • IT-Sicherheit: 50 % der Befragten äußerten sich besonders besorgt über eine Zunahme von Cyberangriffen auf ihre Unternehmen.
  • Umwelt: Trotz des für 2020 prognostizierten Rückgangs der globalen Emissionen um 8 % würde die Welt immer noch das Ziel verfehlen, die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, um eine planetarische Klimakatastrophe zu vermeiden. Dieser Zustand verschlimmert sich, wenn es den Ländern nicht gelingt, Nachhaltigkeitskriterien in ihre Pläne für den Wiederaufschwung aufzunehmen, und Covid-19 die Nachhaltigkeit von der öffentlichen Agenda verdrängt.
  • Soziale Ängste: Mit der Einhaltung von Abstandsvorschriften erhöht sich die Neigung zu Depressionen und Suizid11. Die wirtschaftlichen Aussichten für junge Menschen sind deutlich schlechter als während der Finanzkrise 2008. Die junge Generation von 2020 läuft Gefahr, die nächste „verlorene Generation“ zu werden. Diese Ängste könnten sich 2021 noch verschlimmern.
  • Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern: Vor allem Frauen bekamen die negativen Auswirkungen von Lockdown und Fernunterricht zu spüren. Viele von ihnen mussten ihre Arbeitsstelle aufgeben, um sich um ihre Kinder zu kümmern, oder mussten versuchen, beides (Familie und Beruf) gleichzeitig zu meistern. Einer McKinsey-Studie zufolge erwiesen sich Arbeitsplätze von Frauen um das 1,8-Fache anfälliger für diese Krise als die von Männern. Der Frauenanteil macht 39 % der weltweiten Beschäftigung aus, beim gesamten Arbeitsplatzverlust beträgt ihr Anteil jedoch 54 %.12
All diese Risiken sollten als Warnung verstanden werden, um einzugreifen, bevor es zu spät ist. Covid-19 hat das Potenzial augenfällig gemacht, aus dem man schöpfen kann, um eine bessere Welt zu schaffen: Mit der Verlangsamung der Produktionstätigkeiten und des Transports sind zum Beispiel die CO2-Emissionen in die Atmosphäre gesunken13. Der globale Charakter des Problems schärfte das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit in Fragen der Gesundheit und der Stabilität der Länder. Die durch die Krise hervorgerufenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten förderten eine neue Solidarität und Inklusivität. Jetzt haben Unternehmen, Regierungen und Bürger die Möglichkeit, die Umstellung auf nachhaltigere, digitale Betriebsmodelle zu beschleunigen und gleichzeitig die Produktivität zu verbessern. Der Wiederaufbaufonds „Next Generation EU“ bietet Italien eine außergewöhnliche Chance für den Neustart der Wirtschaft und die Modernisierung des Wirtschaftsgefüges. Ziel ist es, Maßnahmen einzuführen, die nicht nur auf die Krise abzielen, sondern mit denen ein solides Fundament für künftige Generationen gelegt werden kann. Diese Grundlagen müssen auf einem Paradigmenwechsel im Energie- und Gesundheitsbereich beruhen. Der Plan fordert Maßnahmen zugunsten der Green Economy, der digitalen Transformation und des Gesundheitswesens. Wirtschaftsteilnehmer wie Alperia werden daher ihre Strategie überdenken müssen, indem sie auf Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Kundenzentrierung setzen.
Drei Aspekte, die wir in den Mittelpunkt unseres neuen Industrieplans gestellt haben, um sicherzustellen, dass wir aktiv zum Aufbau dieser neuen Ära beitragen. Grüner, verantwortungsvoller, inklusiver.

7 vgl. Caminade, Cyril et al. (März 2014) „Impact of climate change on global malaria distribution“. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 111 (9)
8 vgl. Fornace, Kimberly M et al. (Februar 2016) „Association between Landscape Factors and Spatial Patterns of Plasmodium knowlesi Infections in Sabah, Malaysia“. Emerging Infections Diseases Journal, 22 (2)
9 vgl. Eric Chivian und Aaron Bernstein, „Sustaining Life: How Human Health Depends on Biodiversity“.2008
10 vgl. Lowe, Rachel et al. (Januar 2018) „The Zika Virus Epidemic in Brazil: From Discovery to Future Implications“. International Journal of Environmental Research and Public Health. 15 (1)
11 COVID-19 Risks Outlook „A Preliminary Mapping and Its Implications“, World Economic Forum
12 COVID-19 and gender equality: Countering the regressive effects, McKinsey
13 Global Carbon Budget 2020