Klimawandel

Das wärmste Jahr aller Zeiten

2020 war mit einer um 1,25 °C höheren Durchschnittstemperatur als in der vorindustriellen Zeit für Europa das wärmste Jahr seit Aufzeichnung der Wetterdaten (Messung durch Copernicus Climate Change Service). Ein Rekord, den es sich mit 2016 teilt und der am Ende eines Jahrzehnts der Rekordtemperaturen steht. Darüber hinaus zeigt eine Analyse des italienischen Landwirteverbands Coldiretti auf Basis von Daten der European Severe Weather Database, dass das Jahr 2020 in Italien von durchschnittlich mehr als vier Unwettern (4,1) pro Tag geprägt war, darunter Hagelstürme, Tornados, außergewöhnliche Schneefälle, Blitze und Starkregenereignissen, die Erdrutsche, Überschwemmungen und schwere Schäden in Städten und auf dem Land mit Dutzenden von Opfern verursachten. 2020 war für Italien das fünftwärmste Jahr seit 1800, mit einer Temperatur von fast einem Grad über dem historischen Durchschnitt (+0,96 Grad)14.

In den letzten 150 Jahren stieg die Durchschnittstemperatur weltweit um fast 0,8 °C und in Europa um etwa 1 °C. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) prognostiziert, dass die globalen Temperaturen ohne entsprechende Korrekturmaßnahmen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um weitere 1,8 °C bis 4,0 °C ansteigen könnten, was einen durchschnittlichen Anstieg des Meeresspiegels um 6 bis 9 m, den Verlust aller Korallenriffe aufgrund der Versauerung der Ozeane, den Verlust des Amazonas-Regenwalds und die Unbewohnbarkeit mehrerer Teile des Planeten zur Folge hätte. Um einen Systemkollaps zu vermeiden, müssen wir laut dem Emission Gap Report der Vereinten Nationen zunächst die CO2-Emissionen bis 2030 um 7,6 % pro Jahr reduzieren, um die Klimaerwärmung auf 1,5 °C begrenzen zu können. Diese Kürzung muss mit einer Investition von 460 Mrd. Dollar pro Jahr in reine Energie einhergehen. Europa verabschiedete unterdessen im Jänner 2020 den Green Deal, mit dem Ziel, 1.000 Mrd. Euro in die Green Economy zu investieren, um die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 40 % zu reduzieren und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Darüber hinaus spielt Nachhaltigkeit auch im Recovery Fund, dem Wiederaufbaufonds, der infolge der Pandemie konzipiert wurde, eine zentrale Rolle.

PNIEC: der Plan für ein grüneres Italien

Der im Dezember 2019 verabschiedete Piano Nazionale Integrato per l’Energia e il Clima15 (dt. Integrierter nationaler Plan für Energie und Klima) legt auch in Italien den Grundstein für eine Wirtschaft, die mehr Rücksicht auf Mensch und Umwelt nimmt, und zwar auf der Grundlage von fünf Aktionslinien: Dekarbonisierung, Energieeffizienz, Energiesicherheit, Entwicklung des Energiebinnenmarkts sowie Forschung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Laut dem Dokument muss grüne Energie bis 2030 einen Anteil von 30 % am gesamten Bruttoendverbrauch haben. Beim Stromverbrauch soll der Anteil der erneuerbaren Energien 55 % betragen, im Wärmesektor 33,9 % und im Verkehr 22 %. Beim Thema Verkehr sieht die Regierung darüber hinaus einen Anstieg der Neuzulassungen von Elektroautos vor. Ziel ist, bis 2030 auf etwa 4 Mio. reine Elektroautos zu kommen, was, wenn man Plug-in-Hybridautos hinzurechnet, eine Gesamtzahl von etwa 6 Mio. elektrifizierten Autos bis 2030 bedeuten würde. In Bezug auf die Energieeffizienz wird eine Reduzierung des Verbrauchs bis 2030 um 43 % der Primärenergie und 39,7 % der Endenergie angestrebt, während der Text hinsichtlich der Emissionen eine Reduzierung der Treibhausgase um 33 % für alle Sektoren vorsieht, die nicht vom EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS), dem europäischen Markt für Emissionsquoten, abgedeckt werden, d. h. Verkehr (ohne Luftfahrt), Haushalte, Tertiärsektor, nicht energieintensive Industrie, Landwirtschaft und Abfall. Was Italiens Abschied von der Kohle bis zum Jahr 2025 angeht, so kann dies laut dem Dokument nur erreicht werden, wenn in der Zwischenzeit „die Ersatzanlagen und die notwendige Infrastruktur sowie eine deutliche Beschleunigung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz in den Verarbeitungsprozessen realisiert werden“. Nach Angaben des PNIEC sind in Italien derzeit acht Kohlekraftwerke in Betrieb.

Südtirols Engagement und die Wette auf grünen Wasserstoff

Klimaplan und energiepolitischer Masterplan

2011 wurde in Südtirol der Klimaplan Energie Südtirol 2050 verabschiedet: Dabei handelt es sich um ein strategisches Instrument, mit dem die Region beabsichtigt, zu einem international anerkannten Klimaland zu werden, das einen nachhaltigen Ansatz in der Energiefrage verfolgt. Der Plan, der alle fünf Jahre aktualisiert wird, zielt darauf ab, die Energieeffizienz zu erhöhen und die Treibhausgasemissionen einzugrenzen, indem die Produktion von erneuerbarer Energie erhöht wird, die bereits heute zirka 70 % des lokalen Energiebedarfs deckt. Insbesondere hat der Plan die folgenden vorrangigen Ziele:

  • den Energieverbrauch pro Einwohner (ohne graue Energie)16 auf weniger als 2.500 W pro Jahr bis 2020 und auf weniger als 2.200 W pro Jahr bis 2050 reduzieren;
  • die CO2-Emissionen bis 2020 auf weniger als 4 t pro Jahr und Kopf und spätestens bis 2050 auf weniger als 1,5 t pro Jahr reduzieren;
  • den Anteil des durch erneuerbare Energie gedeckten Energiebedarfs bis 2020 auf mindestens 75 % und bis 2050 auf mehr als 90 % erhöhen.
Zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung verabschiedete die Südtiroler Landesregierung darüber hinaus einen Masterplan zur Energie- und Mobilitätspolitik. Der Plan zielt darauf ab, nachhaltig produzierten Strom mit grünem Wasserstoff zu speichern, um ihn für grüne Mobilität und Energieeffizienz zu nutzen. Auch Alperia wirkte an der Definition des H2-Plans mit und kooperierte dabei mit dem Ressort für Mobilität und Umwelt, dem IIT-Wasserstoffzentrum, der Gesellschaft Brennerautobahn A22, Eurac Research und der Euregio. Ziel ist es, den motorisierten Individualverkehr so weit wie möglich zu vermeiden, die Emissionen des Straßenverkehrs entlang der Brennerachse zu reduzieren und die emissionsfreie Elektromobilität mit Wasserstoff zu unterstützen, der, sofern er aus nachhaltig produziertem Strom erzeugt wird, zu einem idealen Energieträger werden kann. Die Busse des öffentlichen Personennahverkehrs werden daher schrittweise auf umweltfreundliche Fahrzeuge umgestellt. Obwohl es in Südtirol nur wenige Industriebetriebe gibt, die fossile Brennstoffe nutzen, und erneuerbare Energie weit verbreitet ist, werden fast 5,3 t CO2-Äquivalent pro Jahr und Kopf produziert. Allein auf den Verkehr entfallen 44 % der gesamten Treibhausgasemissionen, was über dem gesamtstaatlichen Durchschnitt liegt. An zweiter Stelle folgt die Wärmeenergieerzeugung: Die Beheizung eines wenig energieeffizienten Gebäudebestands macht unter energetischem Gesichtspunkt 36 % aus. Auf dem dritten Platz rangiert die Landwirtschaft mit 18 % der Emissionen, vor allem Methan und Distickstoffmonoxid, deren Werte ebenfalls den gesamtstaatlichen Durchschnitt übersteigen. Südtirol leistete zudem einen Beitrag zur Umsetzung der EU-Richtlinie für saubere Fahrzeuge, die Mindeststandards für die öffentliche Beschaffung von umweltfreundlichen und energieeffizienten Straßenfahrzeugen festlegt. Der Plan zielt daher auf eine deutliche Verbesserung der CO2-Bilanz Südtirols ab: Bis 2030 soll der Import fossiler Brennstoffe um rund 550 Mio. Euro pro Jahr reduziert werden, was eine Senkung der CO2-Emissionen um 45 % bedeuten würde. Dies stellt einen wesentlichen Beitrag zum Schutz von Klima, Mensch und Natur dar.

14 Von Coldiretti ausgewertete Isac-Cnr-Daten in Bezug auf die ersten elf Monate
15 https://www.mise.gov.it/images/stories/documenti/PNIEC_finale_17012020.pdf
16 Ist die Energiemenge, die erforderlich ist, um dieses Produkt aus der Natur zu gewinnen oder es anzubauen, herzustellen, zu verpacken und zu transportieren.