Risiken und Chancen

{ GRI 102-11, 102-15 }

Klimaveränderungen sind eine der größten Bedrohungen für die Umwelt sowie für das Sozial- und Wirtschaftsgefüge der modernen Welt. In den letzten 150 Jahren ist die Durchschnittstemperatur auf globaler Ebene um fast 0,8 °C, in Europa um circa 1 °C gestiegen. Wenn keine globalen Maßnahmen ergriffen werden, um die Emissionen einzuschränken, können die globalen Temperaturen dem Weltklimarat (IPCC) zufolge um weitere 1,8–4,0 °C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit steigen, mit einem mittleren Anstieg der Meereshöhe von 6–9 m, dem Verlust aller Korallenriffe und des Amazonasregenwalds, wodurch große Teile der Erde unbewohnbar würden.

Die Auswirkungen dieser Veränderungen sind bereits offensichtlich: Extreme Witterungsereignisse wie Hitzewellen, Dürre und Überschwemmungen treten immer häufiger auf und wirken sich auf die natürlichen Ökosysteme, die Gesundheit der Menschen und die Wasserressourcen aus. Insbesondere wird geschätzt, dass im Fünfjahreszeitraum 2015–2019: 

  • die Temperatur den Wert der präindustriellen Zeit (1850–1900) um 1,1 °C überstiegen hat, wodurch die vergangenen 5 Jahre die heißesten waren, die jemals verzeichnet wurden;
  • die arktische Eiskappe die vier geringsten Winterausdehnungen seit jeher verzeichnet hat, mit dem höchsten jemals aufgetretenen Gletscherverlust;
  • die Meereshöhe weiter gestiegen ist und das Meerwasser zunehmend saurer wird;
  • die Werte von zwei der wichtigsten klimaverändernden Gase, nämlich Methan (CH4) und Lachgas (N2O), ein neues Spitzenniveau erreicht haben;
  • die globalen Kohlenstoffdioxidemissionen 2018 um 2 % gestiegen sind (+63 % gegenüber 1990) und dieser Trend auch 2019 anhielt. 

Wir befinden uns daher an einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt – sowohl für die Umwelt als auch für ganze Wirtschaftssektoren wie Waldwirtschaft, Landwirtschaft, Tourismus und Baugewerbe sowie für die menschliche Gesundheit. Das Bewusstsein für die globalen Risiken durch die mangelnde Nachhaltigkeit des gegenwärtigen Entwicklungsmodells geht deutlich aus dem Global Risks Report 2020 des World Economic Forum hervor, der im Januar 2020 präsentiert wurde. Gemäß den Ergebnissen einer Umfrage unter 750 Fachleuten und Entscheidungsträgern der verschiedenen Sektoren der globalen Wirtschaft hinsichtlich der Wahrnehmung der Risiken auf internationaler Ebene stehen auf dem ersten, zweiten und dritten Platz:

  • extreme Wetterereignisse,
  • das Scheitern der von Regierungen und Unternehmen unternommenen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen,
  • große Naturkatastrophen. 

Es folgen an vierter und fünfter Stelle: 

  • der Verlust an Artenvielfalt,
  • vom Menschen verursachte Umweltschäden. 

Zum ersten Mal in der Geschichte des Berichts beziehen sich somit die 5 größten globalen Risiken auf die Umwelt. Wenn der Temperaturanstieg nicht unter 1,5 °C gehalten wird, sehen wir einer wahren Notsituation auf der Erde entgegen. Zu den weitreichenden Folgen gehören das Aussterben ganzer Tier- und Pflanzenarten, das vermehrte Auftreten von Naturkatastrophen mit dem Verlust von Menschenleben, starke Gesundheitsprobleme (die vor allem die staatlichen Systeme der ärmeren und stärker gefährdeten Länder belasten), die Überschwemmung von ganzen Tieflandbereichen infolge der zunehmenden Gletscherschmelze, die Reduzierung der Ernteerträge und ein erhöhter Wassermangel sowie die Zunahme der Migration und der internationalen geopolitischen Spannungen. 

Dieser Systemzusammenbruch kann nur vermieden werden, wenn die durch den Menschen verursachten Kohlenstoffdioxidemissionen bis 2030 gegenüber 2010 um 50 % reduziert werden und bis 2050 gleich 0 betragen. Im Global Risks Report 2020 werden daher die großen Weltmächte zur Kooperation aufgefordert, um gemeinsam und entschlossen die am tiefsten verwurzelten und gefährlichsten Risiken zu meistern. Die aktuellen Daten sind nämlich keinesfalls beruhigend: Die Energienachfrage steigt weiter und wird größtenteils durch fossile Brennstoffe befriedigt. 2018 stieg die globale Energienachfrage um 2,3 %, was dem höchsten Wert innerhalb der letzten 10 Jahre entspricht. Einer Prognose zufolge soll sie bis 2040 im Zuge des Bevölkerungswachstums, der erhöhten Einkommen und der zunehmenden Urbanisierung zusätzlich um mehr als 25 % steigen. Somit besteht ein deutlicher Widerspruch zwischen den Aufrufen zur Nachhaltigkeit und dem Bestreben – vor allem in den Schwellenmärkten –, das Wirtschaftswachstum durch Investitionen in Projekte mit hohem Kohlenstoffgehalt anzukurbeln. 2018 waren die in Asien im letzten Jahrzehnt gebauten Kohlekraftwerke für fast ein Drittel der Gesamterhöhung der CO2-Emissionen verantwortlich. 

Die nächsten 10 Jahre werden daher ausschlaggebend sein: Dem am 26. November 2019 von den Vereinten Nationen veröffentlichten Emission Gap Report zufolge müssen die CO2-Emissionen von jetzt bis 2030 um 7,6 % zurückgehen, damit die Erderwärmung im Rahmen von 1,5 °C gehalten werden kann.[3] Gleichzeitig mit dieser Reduzierung müssen 460 Mrd. Dollar pro Jahr in saubere Energie investiert werden.

Die Bekämpfung des Klimawandels wird somit zu einer echten Dringlichkeit, der sich immer mehr Menschen jeden Alters, Geschlechts und jeglicher Gesellschaftsschicht bewusst werden. Beweis dafür ist die von der jungen Schwedin Greta Thunberg initiierte Bewegung Fridays for Future, die dringende Klimamaßnahmen fordert. Um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, ist eine globale Erkenntnis notwendig, die zur Umsetzung angemessener politischer Nachhaltigkeitsmaßnahmen führt. Daher verabschiedete die Europäische Kommission im Jänner 2020 den Green Deal mit dem Ziel, 1.000 Mrd. Euro in die Green Economy zu investieren, um genau festgelegte Ziele zu erreichen, und zwar die Reduzierung von Treibhausgasemissionen bis 2030 um 40 % und das Erreichen der Klimaneutralität bis 2050. Diese ehrgeizige Aufgabe ist die Antwort auf eine globale Herausforderung, zu der auch wir von Alperia unseren Beitrag leisten möchten. Wir sind uns nämlich sehr bewusst, welche Risiken sich am Horizont abzeichnen – nicht nur für den Energiesektor allgemein, sondern auch für das Wasser, unsere wichtigste Ressource, die zunehmend von den gegenwärtigen Megatrends beeinflusst (und bedroht) wird. 

Ein ebenso hoher Stellenwert ist dem IT-Universum beizumessen: Dem Global Risks Report 2020 zufolge ist der Zusammenbruch der Informationsinfrastruktur in den Jahren bis 2030 das sechstwichtigste Risiko. Bis 2025 werden circa 75 Mrd. Geräte miteinander und im Internet vernetzt sein, was einem Markt von 11 Trio. Dollar entspricht. Die Verletzlichkeit der kritischen Technologieinfrastrukturen sorgt für wachsende Besorgnis und wird für Unternehmen wie unserem zur absoluten Priorität. Cyberangriffe im Energie-, Gesundheits- und Verkehrsbereich werden nämlich immer häufiger und heftiger. Das Internet of Things erhöht zudem die Möglichkeiten für Cyberattacken. Einer Schätzung zufolge gibt es weltweit bereits über 21 Mrd. IoT-Vorrichtungen (deren Zahl sich bis 2025 verdoppeln könnte), und die Angriffe erhöhten sich in der ersten Hälfte des Jahres 2019 um über 300 %. Die durch Computerkriminalität verursachten Schäden könnten 2021 6 Trio. Dollar erreichen, einen Betrag, der dem BIP der drittgrößten Weltwirtschaft entspricht. Die Herausforderung sowohl für den öffentlichen als auch den privaten Bereich ist es daher, moderne Infrastrukturen zu errichten und sichere und zuverlässige Systeme zu entwickeln.

Herausforderungen im Energiebereich in Südtirol 

Nach dem vom Forschungsinstitut Eurac erstellten Klimabericht ist die Jahresdurchschnittstemperatur in Südtirol von den 1960er Jahren bis heute um 1,5 °C gestiegen, und schlimmstenfalls könnte sie bis 2050 in den Sommermonaten um weitere 1,5 °C steigen. Eine solche Erhöhung würde sich auch auf die Niederschläge auswirken: Bis 2100 könnte es in 1.500 m Höhe 80–90 % weniger Schnee geben als heute, wodurch im Sommer noch weniger Wasser zur Verfügung stehen würde. Immer häufiger würde es dagegen zu Extremereignissen wie heftigen Regengüssen kommen. 

Obwohl in Südtirol wenige Industriebetriebe fossile Brennstoffe nutzen und erneuerbare Energien weit verbreitet sind, produzieren wir fast 5,3 t CO2-Äquivalente pro Jahr und Kopf. Allein der Verkehr verursacht 44 % der gesamten Treibhausgasemissionen mit Daten, die den gesamtstaatlichen Durchschnitt übersteigen. An zweiter Stelle folgt die Wärmeenergieerzeugung: Die Beheizung eines wenig energieeffizienten Gebäudebestands macht unter energetischem Gesichtspunkt 36 % aus. Auf dem dritten Platz rangiert die Landwirtschaft mit 18 % der Emissionen, vor allem Methan und Distickstoffmonoxid, deren Wert ebenfalls den gesamtstaatlichen Durchschnitt übersteigt. 

Seit 2011 setzt das Land den Klimaplan Energie Südtirol 2050 um, ein strategisches Instrument, das den zu beschreitenden Weg vorgibt, um aus Südtirol mittels eines nachhaltigen Ansatzes in Sachen Energieproblematik ein auf internationaler Ebene anerkanntes Klimaland zu machen. Die Vision der Südtiroler Energiepolitik für 2050 sieht vor, dass:

  • der Energieverbrauch pro Einwohner begrenzt wird (ausschließlich grauer Energie);
  • die CO2-Emissionen bis 2020 auf weniger als 4 t pro Jahr und Kopf und spätestens bis 2050 auf weniger als 1,5 t pro Jahr und Kopf reduziert werden;
  • der Anteil des durch erneuerbare Energie gedeckten Bedarfs bis 2020 auf mindestens 75 % und bis 2050 auf mehr als 90 % erhöht wird. 

Dank seiner günstigen Lage, der Autonomie und der Besonderheiten seiner Wirtschaft besitzt Südtirol Eigenschaften, die seine Vorreiterrolle in Hinblick auf die Energie- und Klimapolitik festigen. Wir von Alperia tragen aktiv zu diesem Engagement bei und konzentrieren uns auf einige wichtige Bereiche wie die nachhaltige Wasserwirtschaft, die Reduzierung der Emissionen, die Instandhaltung der Anlagen und die Entwicklung von Innovationen, die zur Realisierung der Green Region Südtirol beitragen. 

Der Klimaplan Energie Südtirol 2050, zu dem sich zahlreiche weitere Instrumente wie die KlimaHaus-Zertifizierungen oder das Green-Mobility-Programm gesellen, wird im Frühling 2020 mit Maßnahmen aktualisiert, welche: 

  • die Energieeffizienz der Gemeinden und der Produktionsprozesse steigern;
  • die Energie- und Gebäudesanierung mit erhöhter Verwendung von Holzprodukten mit langen Lebenszyklen begünstigen;
  • die Treibhausgasemissionen reduzieren, die aufgrund der Herstellung von Materialien aus nicht erneuerbaren Rohstoffen entstehen;
  • ergänzende Maßnahmen zum Klimaschutz im öffentlichen Verkehr einführen;
  • die erneuerbaren Energien weiterentwickeln (heute beläuft sich die Erzeugung aus erneuerbaren Energien auf circa 70 % des Südtiroler Energiebedarfs);
  • die Anschlüsse an die Fernwärme erhöhen;

die Nutzung von Fotovoltaikanlagen potenzieren, indem neue Modalitäten identifiziert werden, um die Montage auf allen Dächern von öffentlichen und privaten Gebäuden, die für eine solche Anlage geeignet sind, zu erleichtern.