Innovation, Forschung und Entwicklung

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Um die Implementierung von betriebsinternen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten zu fördern, hat Alperia 2018 das Innovation Board eingerichtet. 

Risikomanagement

RisikoManagementmethode
Risiko in Bezug auf die nicht erfolgte Identifizierung/Planung von Innovationsprojekten und Tätigkeiten im Rahmen von Forschung und Entwicklung sowie die nicht angemessene Kanalisierung von Ressourcen im Rahmen dieser Projekte/Tätigkeiten mit potenziellen Auswirkungen auf die Entwicklung neuer Geschäftsmöglichkeiten.Wir sind bestrebt, neue technologische Lösungen zu entwickeln und mit innovativen Forschungsprojekten aktiv zur Energiezukunft Südtirols beizutragen. Wir erstellen gerade eine Richtlinie zur Innovation auf Gruppenebene, um die Tätigkeiten des Innovation Board zu unterstützen, und bringen die 2018 ausgewählten Projekte voran. Nach dem Erfolg des Vorjahres haben wir die Initiative Alperia Startup Factory zum zweiten Mal lanciert.

Dabei handelt es sich um eine Arbeitsgruppe, die aus Mitarbeitern der verschiedenen Business Units und Abteilungen besteht. Das Innovation Board wurde ins Leben gerufen, um einen multidisziplinären Innovationsansatz zu fördern, und hat seine Tätigkeiten auch 2019 weitergeführt: Von den 9 im Jahr 2018 ausgewählten Projekten wurden 2 abgebrochen, 2 wurden fertiggestellt (die virtuellen Kraftwerke Unità Virtuali Abilitate Miste [UVAM] und der Chatbot ELISA), 5 weitere sind noch in der Durchführungsphase. Jedes von diesen wird mit dem Ziel, maximalen Mehrwert für das Unternehmen, das Land und die Kunden zu erzielen, betreut und entwickelt. 

Alle Tätigkeiten werden mittels eines Governance- und Controllingsystems gesteuert und verfügen über ein entsprechendes Budget, das 2019 über 937.842 Euro (fast 600.000 Euro mehr als 2018) von insgesamt 1.560.000 Euro, die in Forschung und Entwicklung investiert wurden, betrug. Über die gemäß dem Strategieplan 2017–2021 ausgewählten Themen wird regelmäßig Bericht erstattet und sie sind Gegenstand einer einmal im Quartal stattfindenden Besprechung, in der die erzielten Fortschritte erläutert werden.

ausgaben forschung und entwicklung

Alperia erstellt zudem gerade eine Richtlinie zur Innovation auf Gruppenebene, um die Tätigkeiten des Innovation Board zu unterstützen. Dieser Richtlinie liegt das Ziel zugrunde, den gruppeninternen Innovationsprozess anzupassen, die Festlegung von Kriterien zur Beschaffung innovativer Ideen, deren Auswahl, den Prototypenbau und die Markteinführung zu unterstützen und die an den verschiedenen Projekten beteiligte Verantwortungskette anzugeben, da es sich um interdisziplinäre Tätigkeiten handelt. 

Schließlich lancierten wir „Innovate“, einen Aufruf im betrieblichen Intranet, mit dem wir unsere Mitarbeiter aufforderten, innovative Ideen vorzuschlagen. Über dieses Instrument gingen 12 Ideen ein, die sich jetzt in der Bewertungsphase befinden.

Virtuelle Kraftwerke Unità Virtuali Abilitate Miste (UVAM) 

Eine der Besonderheiten eines jeden Elektrosystems ist die Notwendigkeit, in jedem Moment zu garantieren, dass der Strombedarf aller Verbraucher durch den von den Kraftwerken erzeugten Strom ausgeglichen wird. Als Betreiber des italienischen Übertragungsnetzes garantiert Terna dieses Gleichgewicht anhand eines Hightech-Kontrollsystems unter Nutzung eines entsprechenden Markts. Um die Energieversorgung auf nationaler Ebene zu garantieren, gab es früher stets wenige große Kraftwerke. Der kontinuierliche Vormarsch der erneuerbaren Energien führt jedoch zu zahlreichen Änderungen im italienischen und europäischen Stromnetz. Das System steht vielen kleinen Produktions-, Verbrauchs- und Speichereinheiten offen, die mit ihrer Flexibilität zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen. Die Rede ist daher von UVAM (Unità Virtuali Abilitate Miste, dt. gemischte freigegebene virtuelle Einheiten), d. h. einer Aggregation von Peripherieeinheiten für Produktion, Verbrauch und Speicherung. Die aggregierten Anlagen, die mit den virtuellen Kraftwerken vernetzt sind, liefern eine Reserveleistung, die im Stromnetz dann zu verwenden ist, wenn Netzstabilitätsprobleme auftreten. Terna hat 15 Aggregierungszonen eingerichtet, innerhalb derer die Teilnehmer am UVAM-Projekt mindestens 1 MW positive oder negative Reserveleistung bieten müssen. An diesen Versteigerungen hat 2019 auch Alperia teilgenommen. Das äußerst herausfordernde und im Rahmen des Innovation Board durchgeführte Projekt beinhaltete die Erstellung eines ausgeklügelten Informationssystems, das die Einspeisung von an einigen seiner Kraftwerken mit entsprechenden Sensoren aufgezeichneten Daten ins Netz ermöglicht. Zudem wurde das Fernheizwerk Bozen mit Erfolg angebunden. Die Pilotphase, die nun als abgeschlossen gelten kann, brachte das Projekt direkt auf den Markt; Ziel ist es, 2020 weitere Produktions- und Verbrauchseinheiten einzufügen. 

Was die preisliche Regelung der UVAM betrifft, sieht das System außer der normalen Vergütung in Verbindung mit dem eingespeisten Strom (EUR/MWh) auch die Vergütung für die Verfügbarkeit der Ressource vor (Fixpreis, EUR/MW).  

Gegenwärtig sind die UVAM in Italien freigeschaltet, um Dienste wie die Lösung von Engpässen, Bilanzierung und Tertiärreserve zu liefern. Terna beabsichtigt jedoch, die Beteiligung der UVAM auch an anderen Diensten zu testen (wie die Sekundärregelung von Frequenz/Leistung) und schrittweise auch die Verbraucher des Tertiärsektors und/oder Privatkunden einzubeziehen. Die UVAM werden als grundlegend erachtet, um den Dienstleistungsmarkt im Hinblick auf die sich vollziehende Energiewende neu zu gestalten. Es wird darauf hingewiesen, dass die im PNIEC (Piano Nazionale Integrato per l’Energia e il Clima, dt. Integrierter nationaler Plan für Energie und Klima) festgelegten Ziele äußerst ambitioniert sind und vorsehen, dass erneuerbare Energien im Jahr 2030 über die Hälfte des Bruttokonsums an Strom decken (55,4 %). Zu diesem Zweck müssen bis 2030 circa 40 GW neue FER-Kapazität installiert werden, deren Lieferung fast ausschließlich durch nicht planbare erneuerbare Quellen wie Windkraft und Fotovoltaik erfolgen soll. 

ELISA

Das zweite, vom Innovation Board 2019 durchgeführte Projekt betrifft die direkten Beziehungen zum Kunden und trägt den Namen ELISA. ELISA ist ein Chatbot oder erweiterter virtueller Assistent, der künstliche Intelligenz und ein Teach-in-Verfahren verwendet, um Kundenfragen korrekt und in einer gängigen Sprache zu beantworten. ELISA ist in der Lage, ein menschliches Gespräch durch die Konstruktion von Algorithmen zu simulieren, die sich basierend auf Erfahrung und Interaktionen schrittweise weiterentwickeln. ELISA liefert allgemeine Informationen zu Dienstleistungen, verweist auf Websites mit Anweisungen und Informationen, kann neue Produkte präsentieren, Termine vereinbaren und Vormerkungen verwalten. Durch die stimmliche Interaktion mit den Kunden liefert das System diesen die Antworten, die sie benötigen, wodurch die Sachbearbeiter sich auf komplexere Themen und solche mit hohem technischem oder vertrieblichem Wert konzentrieren können. Der Dienst ist besonders nützlich angesichts der zunehmend komplexen Interaktionen mit den Kunden und infolge der Erhöhung der Kanäle, die zu besetzen sind (E-Mail, Voice, soziale Netzwerke, Mitteilungen). Mit der Implementierung von ELISA werden 3 Ziele erreicht: Der Kundendienst wird optimiert, die Kommunikationsprozesse werden automatisiert und Mitarbeiter können sich anderen Aufgaben zuwenden und den Aufwand für sich wiederholende Tätigkeiten von geringem Wert reduzieren. Der Chatbot nutzt die Technologie WATSON von IBM und steht zur Verfügung, um die Abteilungen und Bereiche von Alperia Smart Services, Edyna, Smart Mobility (Neogy), Ecoplus und das IT-Helpdesk rund um die Uhr zu unterstützen. Er integriert sich vollendet in die sozialen Kanäle, Apps und die Alperia-Website. 

LIFE4HeatRecovery

Die Abteilung Engineering & Consulting von Alperia arbeitete mit den Partnern Eurac Research, COGEME S.p.A. und Linea Group Holding am Projekt LIFE4HeatRecovery. Das Projekt konzentriert sich auf die Entwicklung einer neuen Generation von intelligenten Fernwärme- und Fernkühlungsnetzen, bei denen Niedertemperaturabwärmequellen (10–40 °C) auf die Verbraucher verteilt werden können. Die LIFE4HeatRecovery-Lösungen integrieren effizient mehrere Abwärmequellen aus städtischen Abwässern und Abwässern von Dienstgebäuden und ermöglichen die Projektierung eines Netzes mit zuverlässiger, sicherer und sauberer Wärmeenergie für die Verbraucher. LIFE4HeatRecovery erarbeitet auch innovative Finanzierungsmechanismen, die auf öffentlich-privaten Partnerschaften und aktiven Beteiligungsmodellen basieren. Diese Strategie fasst Kunden, Netzeigentümer und europäische Investoren zusammen und besitzt auch eine soziale Dimension, da Geschäftschancen und neue Beteiligungen geschaffen werden. Auf diese Weise übernehmen die Nutzer eine zentrale Rolle und werden zu Akteuren auf dem Heizungs- und Kühlungsmarkt. Das Projekt wird von einem Konsortium aus 10 öffentlichen und privaten Trägern, das Energieberater, Versorgungsunternehmen und Forschungseinrichtungen umfasst, entwickelt und in 4 bestehende Fernwärmenetze integriert: Ospitaletto (Brescia), Wüstenrot (Deutschland) sowie Rotterdam und Heerlen (Niederlande).

Zero Emission LIFE IP

Alperia kooperiert mit der Brennerautobahn AG, den Stadtwerken Bruneck, Eurac Research, dem Vinschgauer Energiekonsortium, dem IIT (Institut für Innovative Technologien Bozen) und der STA (Südtiroler Transportstrukturen AG) beim Projekt „Zero Emission Services for a Decarbonised Alpine Economy“, das von der Transportgesellschaft SASA koordiniert wird. Das Projekt basiert auf dem Klimaplan Südtirol 2050, dessen Ziel es ist, die CO2-Emissionen in verschiedenen Sektoren zu reduzieren und dazu beizutragen, Südtirol zu einer grünen Region zu machen. Zu diesem Zweck haben die Partner ihre Kräfte vereint, um das Infrastrukturnetz für die emissionsfreie Mobilität zu erweitern, Pilotfahrzeugflotten in den Verkehr zu bringen und Dienstleistungen mit 0 Emissionen zu entwickeln (z. B. Taxis, Shuttlebusse, Güterbeförderung). Alperia beschäftigt sich insbesondere mit der Installation und Betreibung von 6 Fast-Ladesäulen auf dem Landesgebiet. Die Dauer des Projekts, das am 1. Januar 2019 startete, beträgt 8 Jahre.

Smart Land

Ein Drittel aller Südtiroler Unternehmen ist in der Landwirtschaft tätig: 50 % der in Italien verkauften Äpfel stammen aus Südtirol, und das Land gehört zu den führenden italienischen Weißweinproduzenten. Der Beitrag der Landwirtschaft zur lokalen Wirtschaft ist fundamental. Deshalb kooperiert Alperia mit dem Versuchszentrum Laimburg und dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau bei der Entwicklung neuer technologischer Lösungen, welche die Landwirtschaft noch nachhaltiger und effizienter gestalten sollen. Diese Maßnahmen fallen unter das Projekt Smart Land, dessen Ziel es ist, die Bewässerung der Anbauflächen noch intelligenter und ressourcenschonender zu gestalten. Auf den Feldern von 60 Wein- und Obstbauern wurden über 120 Sensoren zur Messung der Bodenfeuchtigkeit installiert, die verschiedene, für den Bewässerungsprozess relevante Daten aufzeichnen und überwachen können. Das System informiert den Landwirt über die Bodenfeuchtigkeit und verknüpft die Wetter- mit den aktuellen Temperaturdaten. Die modernen Datenübertragungstechniken stellen den Landwirten direkt online und in Echtzeit eine Sammlung aller auf den Feldern durchgeführten Messungen zur Verfügung. Alperia Smart Region – die Alperia-Business-Unit, die sich mit dem Projekt beschäftigt – stellte ihr Know-how zur Entwicklung der Technologien zur Verfügung, die den Landwirten die Steuerung des Bewässerungsprozesses ohne Verschwendungen erlauben werden. In Zukunft werden die Landwirte in der Lage sein, die Daten der Sensoren in Echtzeit von ihren Smartphones abzurufen, um bei Wassermangel sofort zu reagieren. Dies erhöht nicht nur die Qualität der Ernte und gewährleistet die Erträge, sondern bietet auch die Möglichkeit einer zunehmend nachhaltigeren und natürlicheren Landwirtschaft.

Sybil

Alperia Bartucci hat Sybil entwickelt, ein innovatives System, das die Wärmeverteilung mithilfe von Generatoren und Mischventilen unter Einhaltung der Komfortvorgaben in einem Gebäude regelt. Diese Technik arbeitet mit Algorithmen künstlicher Intelligenz und ermöglicht die Aufrechterhaltung einer im Durchschnitt geringeren Temperatur im Kessel und im Verteilungskreislauf. Das System generiert intelligente Warnungen, die fehlerhaftes Verhalten von Nutzern korrigieren und etwaige Störungen von Elementen der Heizzentrale melden. All dies ermöglicht eine Einsparung von bis zu 30 % an Heizenergie und garantiert die Fernsteuerung und Fernüberwachung der Anlagen. Die Technologie ist einzigartig (internationale Patentanmeldung) und innovativ im Vergleich zu herkömmlichen Regelungs- und Überwachungssystemen. 

FlexiGrid

Seit einigen Jahren ist der Stromsektor von einer radikalen Veränderung betroffen, die einerseits durch ein beträchtliches Wachstum an Anlagen mit nicht planbaren erneuerbaren Quellen in Verbindung mit dem Mittel- und Niederspannungsnetz, andererseits durch die Stilllegung von konventionellen Anlagen geprägt ist, welche die notwendigen Regelungsdienste bereitstellen können, um den sicheren Systembetrieb zu gewährleisten. Mit dem Ziel, das Stromnetz zunehmend sicherer, zuverlässiger, nachhaltiger und innovativer zu gestalten, wurde FlexiGrid ins Leben gerufen, ein Projekt, an dem 16 Partner aus 5 europäischen Ländern beteiligt sind (Spanien, Frankreich, Italien, Kroatien, Griechenland). Folgende Elemente werden entwickelt:

  • Trafokabinen „der Zukunft“ mit dem Einsatz von Smart Meters der neuen Generation;
  • Schutzsysteme, die eine hohe Durchdringung in das aus erneuerbaren Quellen erzeugte Stromnetz ermöglichen und integrieren;
  • Softwaremodule, die in der Lage sind, Anomalien und Störungen im Netz zu identifizieren, mit einer ersten automatischen Lösung und einem eventuellen Einsatz des Bereitschaftspersonals des Fernüberwachungszentrums.

Zudem wird eine Plattform entwickelt, über welche die Hard- und Softwarelösungen integriert werden, sodass die von den lokalen Stromquellen bereitgestellten Daten genutzt und mit den FlexiGrid-Lösungen verteilt werden können; diese müssen mit den von den Stakeholdern genutzten EDV-Systemen interoperabel sein, um deren Antwortpotenzial zu erhöhen. Auf diese Weise werden die Verteilungsvorgänge am Stromnetz des DSO (Distribution System Operator) flexibler, zuverlässiger und kosteneffizienter, was das Wachstum und die Weiterentwicklung des Markts fördert.

Als wichtigster Südtiroler DSO nimmt Edyna mit dem Standort des am Umspannwerk Sarntal eingehenden MS- und NS-Netzes teil. Dort befindet sich ein Mittel- und Niederspannungsnetz, das über eine Primäranlage gespeist wird. Für diese soll die technische Machbarkeit einer Regelung der Produktion und der an das Mittelspannungsnetz angeschlossenen Lasten getestet werden (sodass die Leistungsströme auf das Netz optimiert und Engpässe reduziert werden). Die verfügbare Produktion soll für den Betrieb des Stromnetzes bei Notfällen im Inselmodus genutzt werden. Das Projekt begann am 30. Oktober 2019 an der CIRCE-Hauptniederlassung in Saragossa – dem Forschungszentrum, welches das Partnerkonsortium leitet – und hat eine Dauer von 48 Monaten. 

Alperia Startup Factory

Alperia hat Alperia Startup Factory gestartet, einen Ideenwettbewerb für Innovation im Bereich erneuerbare Energien und Green Economy. Das Projekt vereint Start-up-Unternehmen, innovative KMU, Wissenschaftler an Universitäten und junge Talente. Der Aufruf für innovative Ideen erfolgte auf internationaler Ebene in 5 Sektoren: Smart Mobility, Smart Home & Building Automation, Public Lighting, Hydropwer und Callcenter Optimization. Nach Durchführung eines mehrstufigen Auswahlprozesses wurden die Kandidaten mit den interessantesten Projekten zur Teilnahme an einem zweitägigen Workshop nach Südtirol eingeladen: dem Innovation Camp. In einer zweiten Phase arbeiteten die Finalisten an der materiellen Realisierung des Prototyps und führten Markttests für eine mögliche Vermarktung durch. Die Gewinner starteten eine Zusammenarbeit mit Alperia zur Umsetzung der Projekte zugunsten der Kunden und des Betriebs. Von den 142 Bewerbern aus ganz Europa fiel die Wahl auf die Start-up-Unternehmen FieldBox.ai und Beedata. FieldBox.ai ist auf Lösungen für den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Industriebereich spezialisiert und präsentierte das Projekt Hydrobox, eine digitale Lösung zur Überwachung der Verformung von Druckleitungen. Das automatische Überwachungssystem besitzt auch eine bedeutende Prognosefähigkeit. Beedata ist dagegen im Bereich Datenanalyse des Energiemarkts in Europa tätig und erstellt mit dem Projekt BeeTeam Stromrechnungen mit zusätzlichen Informationen und ausgeklügelten Datenanalysen. Leitender Teampartner war Alperia Bartucci. Das Projekt führte zur Erstellung personalisierter Berichte für einige Industriekunden mit Empfehlungen für Energieeffizienz und -verhalten, Branchen-Benchmarking und Initiativen zur Reduzierung der CO2-Bilanz.

Angesichts des Erfolgs des ersten Jahres wurde Alperia Startup Factory zum zweiten Mal veranstaltet und wird im Mai 2020 abgeschlossen. Gegenstand sind 5 Themen: Energy Sharing, Smart Mobility, Stakeholder and Customer Engagement, Fernwärme und Intelligent & Safe Infrastructure. Dem Aufruf folgten 230 Teams, 60 % mehr als im Vorjahr, als sich 142 Teilnehmer bewarben. Die Bewerbungen kamen aus 37 Ländern der ganzen Welt: aus Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien. 

Open Innovation

Alperia kooperiert mit lokalen und internationalen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Dazu zählen neben Forschungseinrichtungen auch Betriebe und Start-up-Unternehmen. 2019 stärkte Alperia seine Zusammenarbeit mit der Freien Universität Bozen. Beispielhaft ist das Event „Energy Day: Synergies between economic and technical aspects“, das von Alperia und Edyna mit der Fakultät für Wissenschaft und Technologie im Rahmen der Kurse für Econometrics des Studiengangs Wirtschaft und Management und der Kurse Hydropower Plants und Hydropower Systems des Masterstudiengangs Energietechnik organisiert wurde. Ziel des Events, an dem mehr als 120 Personen teilnahmen, war es, die Studierenden mit den realen Problemen und den beruflichen Perspektiven in der Energiewirtschaft vertraut zu machen.

Weitergeführt werden zudem die Kooperationen mit Eurac Research, IDM Südtirol und NOI Techpark, dem Innovationsbezirk Bozen. Diese Kooperationen werden vom gemeinsamen Streben nach Innovation und von der Mehrsprachigkeit gestärkt, einem wichtigen Antrieb für den Austausch von Ideen aus dem deutsch- und italienischsprachigen Raum. Südtirol ist ein bevorzugter Ort, um Pilotprojekte durchzuführen, zu testen und neue technologische Lösungen abzuwägen. 

SmartNet

Edyna arbeitete mit 21 Partnern aus 9 europäischen Ländern am Pilot „A“ des Forschungs- und Innovationsprojekts SmartNet. Das 3-jährige Projekt wurde im Juni 2019 abgeschlossen. Dabei ging es um das grundlegende Thema, wie man die Speicherung von Strom aus erneuerbaren Quellen im Netz optimieren kann. In Europa ist die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen in stetigem Wachstum begriffen. Das gilt auch für dessen Einspeisung in das vorwiegend vom DSO betriebene Stromnetz. Dies beinhaltet große Veränderungen: nicht nur für den europäischen Energiemarkt, sondern auch für den Austausch zwischen den verschiedenen Stromnetzbetreibern, vor allem im Hinblick auf die Mittel- und Hochspannungsnetze. Zweck des Forschungsprojekts SmartNet ist es, effiziente Instrumente und Systeme zu finden und anzuwenden, um die Koordination zwischen Netzbetreibern sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene zu verbessern. Grundlegend für das Projekt ist der Austausch von Informationen für die Überwachung des Netzes und die Entwicklung von Hilfsdiensten wie beispielsweise des Spannungsausgleichs, der Frequenzregelung und des Managements von Netzengpässen. Das Projekt wird von der Exekutivagentur für Innovation und Netze (INEA) der Europäischen Kommission innerhalb des Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020 finanziert. Am Projekt beteiligten sich Partner aus Industrie und Wissenschaft, neben Edyna sind das: Terna (wichtigster Netzbetreiber Italiens), die Technische Universität Dänemark, Vodafone (Luxemburg), Endesa (spanisches Energieunternehmen), Sintef Energi As (norwegische Forschungseinrichtung) und Visto (belgisches Forschungsinstitut). Koordiniert wird das SmartNet-Projekt von der Gesellschaft Ricerca sul Sistema Energetico RSE (verwaltet von der Muttergesellschaft GSE). Die neuen unterschiedlichen Geräte, die im Rahmen der im Pilot „A“ von SmartNet vorgeschlagenen Tests mit der entsprechenden finanziellen Deckung konstruiert, realisiert und installiert wurden, bleiben in den Produktionsanlagen im Ahrntal, die am Projekt teilnahmen, installiert und in Betrieb. In Zusammenarbeit mit Gianluigi Migliavacca, Koordinator von RSE, wird im Herbst 2020 ein Treffen mit den Technikern geplant, die für die Anlagen verantwortlich sind und am Projekt mitgewirkt haben, um die äußerst relevanten Ergebnisse und die Perspektiven im Hinblick auf den Echtzeitdatenaustausch zwischen Erzeuger, DSO und Terna zu erläutern.

Storage4Grid

Ziel des europäischen Projekts Storage4Grid ist es, ein Entscheidungsmodell für die Kosten-Nutzen-Schätzung hypothetischer Installationen von Speicheranlagen an privaten und öffentlichen Standorten zu identifizieren, wo gleichzeitig Strom verbraucht und aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird (normalerweise aus Fotovoltaik) und Ladestationen für E-Autos vorhanden sind. Für den am Bozner Stadtrand identifizierten Wohnbereich wurden in kurzer Zeit Speicheranlagen und Ladesäulen für die Akkus von E-Autos installiert. Am zweiten Standort, dem „Industrie-Gewerbe“-Standort am Edyna-Sitz, Linkes Eisackufer 45/A in Bozen, wurde im Herbst 2019 ein Speicher aktiviert, der gleichzeitig etwa ein Dutzend Ladesäulen für E-Dienstfahrzeuge von Edyna speist.

Smart Edyna

2018 hat Edyna das Projekt Smart Edyna gestartet. Mit diesem soll eine intelligente Tanksäule am Edyna-Standort, Linkes Eisackufer 45/A in Bozen, eingerichtet werden. Mittels innovativer Techniken und einem einzigen Dashboard können mehrere Bereiche überwacht werden:

  • Wiederverwertung von Wasser: Smart Water ist ein Projekt zum Sammeln von Regenwasser für die Bewässerung, zur Messung des Wasserdurchflusses und zur Erfassung der Bodenfeuchtigkeit sowie zur intelligenten Bewässerung auf der Grundlage von Wettervorhersagen und/oder eingegangenen Wetterdaten.
  • Parkplatzmanagement: Smart Vehicle ist ein intelligentes Parksystem, das freie Parkplätze für Pkws, Fahrräder und Motorräder anzeigt, die geparkten Fahrzeuge zählt und elektrische Ladesäulen zur Verfügung stellt.
  • Helligkeitssensoren: Smart Lighting ist ein Beleuchtungssystem mit LED-Leuchten, das mittels Sensoren zur Fußgängererfassung in Funktion tritt.
  • Zugangskontrolle: Smart Access ist ein System zur automatischen Zugangs-/Zufahrtserfassung.

Zu diesen 4 bereits aktivierten Bereichen gesellt sich ein weiterer, der mit dem intelligenten Abfallmanagement verbunden ist. Das gesamte Projekt, mit dem Edyna an der Langen Nacht der Forschung 2019 teilnahm, wird 2020 abgeschlossen. Nach Abschluss der Entwicklungsphase wird das System auf dem Markt angeboten, um das bessere Management von Energieressourcen zu fördern.

Regalgrid

2019 wurde das Regalgrid-Projekt für Energiegemeinschaften und virtuelle Aggregationseinheiten weitergeführt. Bereits 2018 hatte Alperia eine Rahmenvereinbarung über die Kooperation mit der Gesellschaft Regalgrid Europe S.r.l. unterzeichnet, die im Bereich digitale Energie führend ist. Ziel ist es, eine patentierte proprietäre Plattform zu entwickeln und den Kunden zur Verfügung zu stellen, die erweiterte Funktionen zur Überwachung, Optimierung und zum Echtzeitmanagement des selbst erzeugten und verbrauchten Stroms bietet. In naher Zukunft werden nämlich die Konsumenten immer mehr zu Prosumenten werden, also Verbrauchern, die gleichzeitig Produzenten sind. Die Plattform Digital Energy Regalgrid® ermöglicht es dem Prosumenten, sich weiterzuentwickeln und auf eine Gemeinschaft an miteinander vernetzten Prosumenten zuzugreifen, mit dem Zweck, den austauschbaren Strom zur Deckung des individuellen Energiebedarfs zu optimieren sowie die Verbrauchskosten und die Investitionen für Selbsterzeugungsgeräte und Speichergeräte für private Nutzer zu reduzieren. Es handelt sich um einen Win-win-Mechanismus: Der Nutzer wird sich seines Bedarfs bewusster, und der Energieanbieter wird sich des Bedarfs des Kunden bewusster. All dies trägt dazu bei, die Angebote zu individualisieren, und führt zu höheren Stromkosteneinsparungen und zu erhöhter Transparenz.

2019 wurden im NOI Techpark, dem Bozner Technologiepark, die ersten von Regalgrid bereitgestellten Vorrichtungen installiert; diese haben dazu beigetragen, die erste virtuelle Energiegemeinschaft Südtirols und eine der ersten Italiens zu schaffen. Diese Vorrichtungen mit der Bezeichnung SNOCU (Smart NOde Controll Unit) wurden an die bestehende Fotovoltaikanlage und an spezifische Verbraucher im Technologiepark angebunden und mit Speicheranlagen und Wechselrichtern ausgestattet, die von Huawei und SolarEdge geliefert worden waren. An diese Gemeinschaft werden später weitere interne Verbraucher sowie Ladestationen für Elektrofahrzeuge angeschlossen. Die SNOCU arbeiten, indem sie die Daten zu Produktion, Verbrauch und Speicherung des Stroms der verschiedenen vernetzten Prosumenten in der Cloud  übertragen. Dann definiert ein proprietärer Algorithmus die verschiedenen Verbrauchsprofile eines jeden Nutzers und verteilt den Strom auf intelligente Weise durch die Nutzung der Flüsse innerhalb der Community. Ebenfalls 2019 wurde ein anderes Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit Regalgrid im Energiebereich vorangetrieben, bei dem es jedoch spezifisch um die Südtiroler Bauern ging. An diesem zweiten Projekt waren 20 Südtiroler Bergbauernhöfe beteiligt: In 7 von ihnen wurden außer den SNOCU auch angemessene Wechselrichter und Speichersysteme installiert, die außer an der vorhandenen Fotovoltaikanlage auch am Verbrauch eines jeden Nutzers bemessen wurden, während in den anderen 13 nur die SNOCU installiert werden. Ende März 2020 werden alle Installationen abgeschlossen sein. Dann wird die sog. Bauernbund Energy Community ins Leben gerufen, die virtuell die verschiedenen freiwilligen Projektteilnehmer vernetzt, und die Phase zur Erfassung und Bestätigung des Algorithmus, der den Betrieb der SNOCU steuert, wird gestartet. Mit der Aufgabe, die Effizienz des von Regalgrid entwickelten Algorithmus zu bestätigen, wurde sowohl für das erste als auch das zweite Projekt Eurac Research betraut, das in Bezug auf die tatsächlichen Vorteile, die in puncto Kosteneinsparung und Optimierung der Stromflüsse der Energiegemeinschaften angesichts des Betriebs der SNOCU erzielbar sind, Bericht zu erstatten hat. Bei dieser Vorrichtung handelt es sich um mehr als nur einen einfachen Router: Er beschränkt sich nicht auf die reine Datenübertragung, sondern lässt Wechselrichter, Akku und Smart Meters miteinander kommunizieren und fungiert wie ein richtiger Aktor, der in der Lage ist, die vom Prozess steuernden Algorithmus erteilten Befehle zu erfassen, die Vorgänge für Einschaltung und Standby-Schaltung der verschiedenen Geräte durchzuführen und somit die Stromflüsse der Energiegemeinschaft zu regeln und jede Anlage in einen aktiven Knotenpunkt zu verwandeln. Das von Alperia vorgeschlagene System ist einzigartig, denn es beinhaltet einen dritten Netzbetreiber: Alperia selbst wird nämlich die Rolle des Betreibers übernehmen und sich um die Zahlungen kümmern.

Alperia befindet sich in der Entwicklungsphase des Dienstes für Lieferung, Installation und Betrieb von Fotovoltaikanlagen für Privathaushalte, die mit einem Speicher ausgestattet sind, und beabsichtigt, seine Kunden auch direkt mit den SNOCU auszustatten, damit sie „Energy Community ready“, also bereit für die Anbindung und aktive Beteiligung an der Energiegemeinschaft sind. Auf diese Weise wird ein erheblicher wirtschaftlicher Vorteil sowohl für die Kunden selbst als auch für den Stromanbieter generiert. Das Projekt startete in der Pilotphase 2019 mit der Teilnahme von 10 Anschlüssen, die bereits mit einer Fotovoltaikanlage ausgestattet waren. An diese wurden angemessene Speichersysteme und die entsprechenden Wechselrichter installiert, um innerhalb 1 Jahres die Resultate in Bezug auf die Eigenproduktion und den effektiven Eigenverbrauch zu bewerten und die Optimierung der Alperia-Angebote im spezifischen Sektor in Bezug auf die Größen von installierbaren Leistungen (Fotovoltaikanlagen) und Strom (Akkus) im Hinblick auf die typischen Verbrauchsstaffeln von Privathaushalten voranzutreiben.

Strategisches Ziel: Wir sind bestrebt, neue technologische Lösungen zu entwickeln und mit innovativen Forschungsprojekten aktiv zur Energiezukunft Südtirols beizutragen.

Operative Ziele2019 durchgeführte
Maßnahmen
2019 geplante
Maßnahmen
(Neue)
Fristen
KPIZielwertWert 2019

Schaffung eines zentralen und multidisziplinären Innovations-managements
  • Arbeit an der Erstellung eines Innovationsablaufs auf Gruppenebene, um die Tätigkeiten des Innovation Board zu unterstützen
  • Entwicklung eines Berichterstattungssystems für das Controlling der Aufträge
  • Entwicklung der Projekte Mi muovo con la mia Energia, ELISA und UVAM
Implementierung und Überwachung der Projekte im Rahmen des Innovation Board2017-2021
(laufend)
  • Investitionen in Forschung und Innovation (Mio. EUR) 
  • Zahl der an Forschungs- und Innovationsprojekten mitwirkenden Mitarbeiter
tbd1,56 Mio.
EUR
88
Mitarbeiter

Kooperation und Eruierung von Synergien mit Betrieben, Start-up-Unternehmen und Forschungs-einrichtungen (Open Innovation)
  • Start der Kooperation mit 5 Start-up-Unternehmen, die Ende 2018 im Rahmen der Alperia Startup Factory ausgewählt wurden, um Prototypen zu bauen
  • Weiterführung des Projekts mit der Realisierung eines „Proof of Concept" und Lancierung der neuen Ausgabe der Alperia Startup Factory 2
Umsetzung der Projekte mit den ausgewählten Start-up-Unternehmen2017-2021
(laufend)
Zahl der
Projekte
mit Start-up-
Unternehmen
54
FieldBox.ai
Enterprise Bot
IceGateway
Beedata

Entwicklung von Instrumenten (z. B. myAlperia-System für Verbesserungsvorschläge, Workshops usw.), um Ideen Raum und Visibilität zu geben und eine „unternehmerische" Einstellung der Mitarbeiter zu fördern
Lancierung von „Innovate", einem Aufruf im betrieblichen Intranet, mit dem Mitarbeiter aufgefordert werden, innovative Ideen vorzuschlagen. Über dieses Instrument gingen 12 Ideen ein, die sich jetzt in der Bewertungsphase befinden.
  • Beurteilung der 12 über „Innovate" eingegangenen Ideen und deren Auswahl für die Weiterführung;
  • Lancierung der neuen Ausgabe von Innovate
2017-2021
(laufend)
Zahl der
Vorschläge im
Intranet-Portal
-59
myIdeas+
12
INNOVATE